Bargeldbranche – Überraschungsbesuche – Verfahrensdokumentation

Wer in der Bargeldbranche tätig ist, muss mit Überraschungsbesuchen des Finanzamtes zur Kassen-Nachschau rechnen. Da hilft eine gute Vorbereitung: Zum Beispiel genau Absprachen, wer welche Auskünfte erteilen darf, welche Unterlagen benötigt werden sowie Klarheit über den Aufbewahrungsort der Bedienungsanleitung der Kasse.

Zusätzlich wird die Verwendung einer korrekten Verfahrensdokumentation unbedingt benötigt.

Unternehmensfinanzierung | Neuer Förderkredit der KfW

Die KfW macht auf einen neuen Förderkredit aufmerksam: den „ERF-Förderkredit KMU“.

Dieser

  • richtet sich an kleine und mittlere Unternehmen sowie Freiberufler,
  • umfasst bis zu 25 Mio. Euro Kredit und
  • bietet bis zu 20 Jahre Zeit für die Rückzahlung sowie 3 Jahre keine Tilgung.

Ein leichter Kreditzugang ist möglich: die KfW übernimmt 50 % des Risikos.

Weitere Informationen hat die KfW auf ihrer Homepage veröffentlicht:
ERP-Digitalisierungs- und Innovationskredit (380, 390, 391) | KfW

Quelle: 
b.b.h. Bundesverband Selbstverständiger Buchhalter und Bilanzbuchhalter: www.bbh.de

Gutscheine im Steuerrecht

Zum 01.01.2022 steigt die Freigrenze von 44 EUR auf 50 EUR. 

Ob als 

  • Geschenkidee, 
  • Werbemittel oder 
  • pragmatische Lösung bei pandemiebedingten Absagen für Reise bzw. Veranstaltungen: 

Gutscheine sind flexibel  einsetzbar und beliebter denn je. 
Nicht zuletzt werden sie auch von Arbeitgebern gern als „Incentive“ oder Mitarbeitermotivation genutzt.

Quelle: 
b.b.h. Bundesverband Selbstverständiger Buchhalter und Bilanzbuchhalter: www.bbh.de

Vorsteuerabzug aus Rechnung für Bewirtungsaufwendung

Auch wenn gegen einkommenssteuerrechtliche Aufzeichnungspflichten für Bewirtungsaufwendungen verstoßen wird, ist unter bestimmten Voraussetzungen dennoch ein Vorsteuerabzug möglich.

Im Rahmen einer Betriebsprüfung bei einem Unternehmensberater stellte der Prüfer fest, dass die Belege für Bewirtungsaufwendungen keine Eintragung zum Anlass und zu den Teilnehmern der Bewirtung enthielten. Aus diesem Grund versagte er den entsprechenden Betriebsausgabenabzug. Gleichzeitig kürzte er die geltend gemachten Vorsteuern aus den einkommensteuerlich nicht anerkannten Aufwendungen.

Dem hat das Finanzgericht Berlin-Brandenburg widersprochen. Die Versagung des Vorsteuerabzuges allein auf der Grundlage der Nichteinhaltung steuerlicher Formvorschriften ist eine mit dem mehrwertsteuerrechtlichen Neutralitätsgrundsatz nicht zu vereinbarende Belastung. Für umsatzsteuerliche Zwecke kommt es darauf an, ob die unternehmerische Verwendung der Bewirtungsleistungen nachgewiesen und die Aufwendung nach allgemeiner Verkehrsauffassung als angemessen zu beurteilen sind.

Die Veräußerung einer (hälftigen) Kassenzulassung ist umsatzsteuerpflichtig

Bei der Veräußerung von Arztpraxen kommt es immer wieder vor, dass sich der Praxisinhaber nicht von der gesamten Praxis, sondern nur von einem Teil, z. B. der hälftigen Kassenzulassung trennt. Dies hat nachteilige umsatzsteuerrechtliche Konsequenzen.

(von StB Dennis Janz, LL.M., Dortmund)

Bis 2009 alles kein Problem

Grundsätzlich fällt der Umsatz aus einer Geschäftsveräußerung im Ganzen an einen anderen Unternehmer für dessen Unternehmen nach § 1 Abs. 1a Umsatzsteuergesetz (UStG) nicht unter die Umsatzsteuer. Eine steuerfreie Geschäftsveräußerung liegt auch vor, wenn ein Unternehmen oder ein in der Gliederung eines Unternehmens gesondert geführter Betrieb (Teilbetrieb) im Ganzen entgeltlich oder unentgeltlich übereignet wird. Dabei muss der Erwerber in der Lage sein, den Teilbetrieb als selbstständiges wirtschaftliches Unternehmen fortführen zu können.

Das ist bei der Veräußerung einer (hälftigen) Kassenarztzulassung zwar nicht der Fall. Aus umsatzsteuerrechtlicher Sicht war dies bis 2009 für den veräußernden- bzw. erwerbenden Arzt aber unproblematisch. Denn die Überlassung eines Praxiswerts konnte als steuerfreie Lieferung eines Gegenstands nach § 4 Nr. 28 Buchst. a UStG betrachtet werden.

Das UStG verlangte ferner, dass der Unternehmer die gelieferten oder entnommenen Gegenstände ausschließlich für eine steuerfreie Tätigkeit verwendet hat, was i. d. R. bei der Tätigkeit als Arzt gegeben ist.

Dann kam der EuGH

Doch eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) änderte diese Grundlage erheblich (Urteil vom 22.10.09, Az. C-242/08 – Rs. Swiss Re Germany Holding). Dort ging es um die Übertragung von Lebensrückversicherungsverträgen. Sie war fortan eine sonstige Leistung und keine Lieferung von körperlichen Gegenständen mehr. Das Urteil hatte insofern Auswirkungen auf die Übertragung anderer immaterieller Wirtschaftsgüter wie eines Firmenwerts oder Kundenstamms. Die Übertragung solcher immaterieller Wirtschaftsgüter ist nun ebenfalls als eine sonstige Leistung i. S. von § 3 Abs. 9 S. 1 UStG zu qualifizieren und damit umsatzsteuerpflichtig.

Beispiel 1: umsatzsteuerfrei

Dr. X veräußert seine gesamte Arztpraxis für 550.000 Euro an Dr. Y. Hiervon entfallen 100.000 Euro auf das Anlagevermögen und 450.000 Euro auf den Wert der Praxis (Praxiswert). Da es sich um eine Geschäftsveräußerung im Ganzen nach § Abs. 1a UStG handelt, fällt keine Umsatzsteuer an.

Beispiel 2: mit Umsatzsteuer

Dr. X veräußert nur die Hälfte seiner Kassenarztzulassung an Dr. Y für 200.000 Euro und führt die Praxis fort. Dieser Vorgang ist umsatzsteuerpflichtig (= 31.933 Euro), weil die Veräußerung der Kassenarztzulassung als sonstige Leistung nicht unter § 4 Nr. 28 UStG fällt. Dr. X bekommt somit für seine hälftige Zulassung nur (200.000 Euro :119 x 100 =) 168.067 Euro. Da Dr. Y als Arzt zwar umsatzsteuerlich ein Unternehmer, aber nicht zum Vorsteuerabzug berechtigt ist, kann er die Vorsteuer (= 31.933 Euro) nicht in Anspruch nehmen.

Konsequenzen in der Praxis

Ärzte, die eine (halbe) Kassenarztzulassung veräußern, müssen auf den Kaufpreis, den sie erzielen wollen, 19 Prozent Umsatzsteuer aufschlagen. Je nach Anteil der umsatzsteuerpflichtigen Umsätze und der Kaufpreishöhe kommt unter Umständen die Kleinunternehmerregelung ( § 19 UStG) in Betracht. Dies ist der Fall, wenn der Gesamtumsatz im vergangenen Kalenderjahr bei maximal 17.500 Euro und im laufenden Kalenderjahr voraussichtlich nicht über 50.000 Euro liegt. Allerdings darf der Kleinunternehmer dann auch keine Vorsteuer geltend machen, eigene Umsatzsteuer gesondert ausweisen oder auf Steuerbefreiungen verzichten.

WEITERFÜHRENDE HINWEISE

 

Den Originalartikel finden Sie hier: https://www.rwf-online.de/system/files/RWF-03-2018.pdf#page=7